Was kostet der Bootsführerschein? Kurs-, Prüfungs- und Nebenkosten im Überblick

Bootsführerschein Kosten

Wer sich für den Bootsführerschein interessiert, stößt schnell auf sehr unterschiedliche Preisangaben. Je nach Führerscheinart, Prüfungsorganisation und Region variieren die Gesamtkosten deutlich. Zwischen dem kleinen Motorbootschein für Binnengewässer und einem Küstenpatent liegen mehrere hundert Euro Unterschied. Hinzu kommen Ausgaben, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, etwa ärztliche Atteste, Lehrmaterial oder Gebühren für das Führungszeugnis.

Welche Bootsführerscheine gibt es und wofür braucht man sie?

In Deutschland sind mehrere amtliche Sportbootführerscheine relevant. Der Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen) berechtigt zum Führen von Sportbooten mit einer Antriebsleistung ab 15 PS beziehungsweise 11,03 kW auf Binnengewässern. Der Sportbootführerschein See (SBF See) gilt für dieselbe Motorleistungsgrenze auf den Seeschifffahrtsstraßen und dem Küstenmeer bis drei Seemeilen vor der Küste.

Für weitergehende Fahrten kommen freiwillige Scheine hinzu, etwa der Sportküstenschifferschein (SKS) für Reviere bis 12 Seemeilen vor der Küste, der Sportseeschifferschein (SSS) und der Sporthochseeschifferschein (SHS) für weltweite Fahrt. Wer auf europäischen Binnenwasserstraßen jenseits von Rhein, Donau und einigen anderen chartern möchte, benötigt zusätzlich das UBI-Zeugnis (Binnen-Sprechfunkzeugnis) oder das SRC (Short Range Certificate) für den Seefunk.

Eine Sonderstellung nimmt der Bodensee ein. Dort gilt der SBF Binnen nicht in der üblichen Weise, erforderlich ist das Bodenseeschifferpatent. Mit dem regulären SBF darf nur übergangsweise gefahren werden, konkret maximal einen Monat pro Jahr im Rahmen des sogenannten Ferienpatents. Freizeitkapitäne auf Berliner Gewässern oder an der Ostseeküste fahren dagegen in aller Regel mit SBF Binnen, SBF See oder einer Kombination beider Scheine.

Kursgebühren: Was Bootsschulen für die Ausbildung berechnen

Der größte Einzelposten sind die Kursgebühren der Bootsschule. Für den SBF Binnen unter Motor liegen die Preise für Präsenz- oder Onlinekurse üblicherweise zwischen 150 und 350 Euro. Der SBF See bewegt sich in einer ähnlichen Spanne, meist zwischen 180 und 400 Euro. Wer beide Scheine kombiniert absolviert, fährt in der Regel günstiger, kombinierte Pakete werden häufig ab etwa 300 bis 500 Euro angeboten.

Diese Beträge decken die theoretische Ausbildung ab, also Unterricht, Lernplattform und meist Prüfungsfragenkataloge. Die Praxisstunden auf dem Wasser werden fast immer separat berechnet und kosten je nach Region und Bootstyp zwischen 40 und 80 Euro pro Stunde oder Unterrichtseinheit. Für die Praxisprüfung sind erfahrungsgemäß drei bis sechs Stunden sinnvoll. Für den SBF Binnen unter Segel fallen deutlich mehr Praxisstunden an, entsprechend höher liegt der Gesamtpreis.

Einen strukturierten Überblick über die Kostenblöcke und Beispielrechnungen zeigen die Bootsführerschein-Kosten bei BootsschuleX, inklusive einer Aufschlüsselung nach Präsenz- und Onlineoptionen.

Prüfungsgebühren: Amtliche Sätze der Prüfungsorganisationen

Die Prüfungen führen nicht die Bootsschulen durch, sondern die damit vom Bundesverkehrsministerium beliehenen Verbände, in erster Linie der Deutsche Motoryachtverband (DMYV) und der Deutsche Segler-Verband (DSV). Die Prüfungsgebühren sind in Deutschland einheitlich durch die Sportseeschifferscheinverordnung und die Sportbootführerscheinverordnung geregelt.

Für den SBF Binnen beträgt die Prüfungsgebühr zurzeit ca. 78 Euro, aufgeteilt in Theorie und Praxis und zuzüglich Ausstellungsgebühr. Die Prüfung für den SBF See kostet ca. 90 Euro. Wer beide Scheine gleichzeitig macht, spart bei einigen Teilgebühren, z. B. bei der Ausstellungsgebühr. Die Prüfungsgebühren für den SKS liegen höher, in der Regel sind hier ca. 190 bis 220 Euro für Theorie und Praxis zusammen anzusetzen.

Wiederholungsprüfungen kosten wieder. Fällt jemand in der Praxis durch, so wird die Praxisgebühr erneut fällig, gleiches gilt für die Theorie. Die genauen Sätze ändern sich regelmäßig, also vor der Anmeldung sollte man einen Blick in die Gebührensatzung des DMYV oder DSV werfen.

Nebenkosten: Attest, Führungszeugnis, Lehrmaterial

Neben den großen Posten kommen noch einige Kleinigkeiten zusammen, die in der Summe schnell 80 bis 150 Euro ausmachen können. Vorgeschrieben ist ein ärztliches Zeugnis über Seh- und Hörvermögen. Der Arzt verlangt hierfür je nach Praxis zwischen 15 und 50 Euro. Für die Prüfungsanmeldung wird außerdem ein Identitätsnachweis über die Zuverlässigkeit im Straßenverkehr benötigt. Hier reicht in aller Regel eine Kopie des Kfz-Führerscheins, die von den Prüfungsorganisationen akzeptiert wird. Wer keinen Kfz-Führerschein besitzt, legt stattdessen ein amtliches Führungszeugnis der Belegart O vor, das bei der Meldebehörde 13 Euro kostet und direkt an die Prüfungsorganisation gesendet wird.

Außerdem kommt noch das Lehrmaterial hinzu, sofern es nicht im Kurspreis mit enthalten ist. Ein aktuelles Lehrbuch kostet 20 bis 35 Euro, offizielle Kartenauszüge für die Navigationsaufgaben des SBF See kosten etwa 15 bis 25 Euro, ein Kursdreieck und ein Stechzirkel weitere 20 bis 30 Euro. Wer eine Prüfungssimulation online nutzen möchte, muss dafür bei manchen Anbietern 20 bis 40 Euro kalkulieren.

Beispielrechnung: Realistisches Gesamtbudget

Wer den SBF Binnen und SBF See kombiniert erwerben möchte, sollte mit einer Gesamtsumme rechnen, die sich etwa wie folgt zusammensetzt. Für einen Kombikurs sind rund 350 Euro anzusetzen, plus vier Praxisstunden zu je 60 Euro, macht 240 Euro. Die Prüfungsgebühren beider Scheine addieren sich auf circa 160 Euro. Ärztliches Zeugnis beziehungsweise Führungszeugnis, Lehrmaterial und Navigationsbesteck summieren sich auf rund 100 Euro. In Summe ergibt sich ein Budget von etwa 850 bis 900 Euro.

Wer nur den SBF Binnen benötigt, kommt oft mit 400 bis 500 Euro aus. Für den SKS mit anschließendem Praxistörn auf der Ostsee liegen die Gesamtkosten schnell bei 1.200 bis 1.800 Euro, abhängig davon, wie viele Meilen für die Praxisprüfung gefahren werden müssen. Diese Werte dienen als Orientierung, individuelle Angebote der Bootsschulen und regionale Unterschiede können die tatsächlichen Kosten nach oben oder unten verschieben.

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